Eine Pilgerreise

Ein Sai Baba Anhänger trifft Paramahamsa Hariharananda zur Einweihung im Karar Ashram in Puri, Indien – März 1989.

„Ich antwortete wahrheitsgetreu, dass ich verstand, dass Kriya Yoga eine wissenschaftliche und universelle Technik ist, ein Abkürzung zu den höheren Bewusstseins-Dimensionen, die ich erreichen wollte. Ich fügte hinzu, das ich keine Schwierigkeit darin sah, Kriya mit Bhakti (Hingabe) zu meinem Meister, Sri Sathya Sai Baba, zu kombinieren.“

Der Artikel unten ist ein Ausschnitt aus dem Buch einer Anhängerin, "Glimpses of the Divine: Working with the Teachings of Sai Baba" von Birgitte Rodriguez, veröffentlicht von Samuel Weiser, eingefügt mit der Genehmigung des Herausgebers.

Ich beschloss Puri, den berühmten Pilgerort, noch einmal zu meinem Reiseziel zu machen. Jeden Tag besuchen hunderte von Pilgern seinen berühmten Lord Jagannath Tempel. Zu Festivalzeiten steigen die Zahlen auf Tausende an. Aber meine Reise galt diesmal dem Besuch des kleinen, aber sehr schönen Karar Ashrams. Für das Erlernen des Kriya Yoga ist dies weltweit einer der wichtigsten Orte, auch wenn nur Mönche dort leben dürfen. Kriya Yoga verspricht viel und seine Anhänger sagen, „Durch die Praxis von Kriya erlangt man Gottesverwirklichung, das bedeutet Selbstverwirklichung in Höchstgeschwindigkeit.“ Ich hatte um Babas Segen gebeten, bevor ich meine Reise begann, und ich erwartete halb, als erleuchtete Person zu ihm zurückzukehren.

Ich wollte die Kriya Yoga Übungen von Swami Hariharananda Giri selbst erlernen. Zu dieser Zeit hatte er den Vorsitz im Ashram, obwohl er normalerweise nur ein paar Wochen pro Jahr dort verbrachte. Gewöhnlich verbrachte er den Großteil seiner Zeit in Amerika und bereiste etwa neun Monate im Jahr andere Länder. Wie Swami Hariharananda sagte, „Diese Länder haben alles außer Frieden. Die Menschen sind in Frustration, Leid und Schwierigkeiten.“ Langsam half er ihnen, "Ruhe zu erlangen, was Göttlichkeit bedeutet."

Swami Hariharananda Giri kehrte jedes Jahr nach Puri am Gründungstag des Karar Ashrams (22. März) zurück, und so kam er genau in diesem Jahr (1989) Mitte März von New York über Kalkutta mit dem Jagannath Express in Puri an.

Der Ashram war von Swami Shriyukteshwar Giri gegründet worden, dem Guru von Paramahamsa Yogananda, der das berühmte Buch „die Autobiografie eines Yogi“ geschrieben hat. Swami Hariharananda wird als der bedeutendste lebende Meister und Heilige der wissenschaftlichen Kriya Yoga Technik angesehen, und besetzt einen hohen Rang unter den indischen Yogis dieses Jahrhunderts.

Kurz nach seiner Ankunft gab er den vielen Menschen, die auf ihn im Ashram warteten, seinen Darshan und danach waren einige in sein Zimmer eingeladen. Ich hatte das Glück unter ihnen zu sein, und es war an sich schon eine großartige Erfahrung, in der Gegenwart dieses Heiligen zu sitzen. Er tauschte einige Worte mit vielen aus der Gruppe. Zu mir sagte er, „Du solltest Transformation spüren, wenn Du mich siehst.“ Und tatsächlich war das so. Mein ganzes Wesen war in einen beruhigenden Frieden gehüllt. Ich sagte Swami Hariharananda, dass ich ein Anhänger von Sri Sathya Sai Baba bin. In der Meditationshalle des Karar Ashrams gibt es Bilder von Sai Baba, Shirdi Baba, Sri Aurobindo und der Mutter.

Plötzlich kam ein junger Mann in Swami Hariharanandas Zimmer, bahnte sich schnell seinen Weg durch uns all, die wir im Schneidersitz auf dem Teppich am Boden saßen, ging direkt auf den Heiligen zu und kniete vor ihm nieder. Der Swami umarmte ihn mehrmals herzlich, offensichtlich sehr glücklich ihn zu sehen. Nach etwa einer halben Stunde gab Swami Hariharananda zu verstehen, dass er wünschte, dass die Menschen sein Zimmer verlassen, damit er sich nach der langen Reise ausruhen könnte.

Es ist nicht möglich im Karar Ashram zu übernachten, daher habe ich in einem der vielen preiswerten Hotels am Strand entlang der Küste eingecheckt. Mein kleines Hotel lag fast direkt am Strand selbst und so konnte ich täglich mehrmals im Meer schwimmen.

Während seines kurzen Aufenthaltes schien Swami Hariharananda sehr beschäftigt zu sein und nahm sich nur sehr wenig Zeit um sich auszuruhen. Ich wunderte mich, wie jemand gut über 80 all die Aktivitäten aushalten konnte. Jeden Tag kamen mehr und mehr Menschen an, viele aus dem Ausland, bis mindestens sechs- bis siebenhundert Devotes anwesend waren, um seine Segnungen zu empfangen.

Ungefähr zweihundert wurden von Swami in Kriya Yoga eingeweiht. Für alle anderen schien es ein sehr hartes Programm, aber er blieb friedlich und ruhig, die exakte Verkörperung des Kriya, das er lehrte. Es fiel mir auf, dass er oft in der großen Halle des Ashrams Devotes bat das Padnamaskar nicht zu machen, wenn er diese verließ. „Nicht verbeugen, nicht verbeugen“, sagte er immer wieder.

Nach einigen Tagen ließ er mich rufen. Ein Treffen war für 11.00 Uhr am vereinbarten Tag arrangiert worden, aber ich hatte große Schwierigkeiten den Ashram zu erreichen. Mir war es nicht bekannt, dass es sich bei diesem Tag um einen Festtag namens "Holi" handelte. An diesem Tag dürfen Kinder und Jugendliche bunte Farben auf alle und jeden sprühen oder schmieren. Ich verließ mein Hotel früh genug und sehr gut bekleidet, aber da ich ein Ausländer mit heller Haut war, war ich bald das bevorzugte Ziel. Bevor ich den halben Weg zum Ashram zurückgelegt hatte, war mein Gesicht grün und der Rest von mir war in Regenbogenfarben. Ich fühlte, dass ich so nicht vor Swami erscheinen konnte und eilte zurück zu meinem Hotel um mich zu waschen und meine Kleider zu wechseln. Für meinen zweiten Versuch trug ich einen Regenmantel und hüllte mein Gesicht in ein Handtuch!

Letztendlich erreichte ich den Ashram und eine Sekretärin leitete mich zu Swami Hariharanandas Zimmer. Als ich eintrat, richteten sich meine Augen sofort auf seine stille Gestalt, die in einer bescheidenen Position auf einem mit einem orangefarbenen Tuch bedeckten Feldbett saß. Es war niemand sonst im Zimmer. Ich ging dorthin wo er saß und kniete vor ihm nieder. Es gab weder einen Small Talk noch den Austausch von sozialen Nettigkeiten. Seine erste, sehr direkte Frage war, „Warum sind Sie gekommen?“ mit Bhakti (Hingabe) für meinen eigenen Meister, Sri Sathya Sai Baba, zu verbinden. „Ich antwortete wahrheitsgetreu, dass ich verstand, dass Kriya Yoga eine wissenschaftliche und universelle Technik ist, ein Abkürzung zu den höheren Bewusstseins-Dimensionen, die ich erreichen wollte. Ich fügte hinzu, dass ich keine Schwierigkeit darin sah, Kriya mit Bhakti (Hingabe) zu meinem Meister, Sri Sathya Sai Baba, zu kombinieren.“

Swami Hariharananda antwortete darauf nichts. Ohne weitere Fragen erhob er sich und verriegelte die Tür von innen um sicher zu gehen, dass es keine Unterbrechungen geben würde, dann setzte er sich neben mich auf den Boden. „Gib mir ein T-Shirt“, sagte er. Ich stand auf und wollte ihm eines der T-Shirts geben, die auf einer Leine in dem spartanischen und einfachen Zimmer hingen. Aber das T-Shirt, das ich gewählt hatte, hatte lange Ärmel und er sagte, „nein, nicht dieses.“ Stattdessen gab ich ihm ein kurzärmliges Shirt, das er sich mit der Einfachheit eines Kindes über den Kopf zog. Währenddessen reflektierte seine ganze Haltung den Befehl eines Yogis, der über allem steht. Ich setzte mich wieder neben ihn auf den Boden und fühlte mich in seinem Zimmer ziemlich entspannt, fast wie zu Hause.

Swami Hariharananda sagte dann, „Ich werde eine Reinigung deines Körpers durchführen.“ Mit Seiner Hand berührte er die verschiedenen Chakren eines nach dem anderen entlang meiner Wirbelsäule. Dann hielt er meine Hände fest in seinen Händen. Ebenso hat er meine Füße in seine Hände genommen. Dann ist er mit einer Hand über mein Gesicht, meine Arme, meinen Rücken gefahren und hat die ganze Zeit vedische Mantren in Sanskrit wiederholt. Auf Englisch sagte er, „Ich flöße Dir meine Lebenskraft ein.“ Während dieses Reinigungsprozesses sah ich ein strahlend weißes Licht in der Position des sogenannten "dritten Auges" zwischen den Augenbrauen. Laut Swami Hariharananda ist dieses weiße Licht das Licht der Seele. Ich hörte auch ganz klar den kosmischen Klang OM, der der Schöpfung zugrunde liegt. Schließlich legte er seine Hand auf meinen Kopf und segnete mich, und ich verbeugte mich und berührte seine Füße.

Es war eine so überwältigende Erfahrung, dass ich Schwierigkeiten hatte, die Tränen zurückzuhalten, die sich unter meinen geschlossenen Augenlidern gebildet hatten. Es hatte alles in fünf Minuten stattgefunden und währenddessen hatte ich Baba als Ista (Gott) angerufen. Beinahe gleichzeitig erlebte ich eine extreme Stille, die mir für den Rest des Tages erhalten blieb. Es war so großartig, dass es unmöglich war, sich auf diese Ebene hinunter zu begeben, auf der wir normale Gespräche führen. Das „Ich“ und das „mir“ waren verschwunden. Ich blieb im Schweigen für den Rest des Tages und ließ den gesegneten Frieden mein ganzes Wesen umhüllen. Es fühlte sich an, als ob ich im Zentrum meines Wesens verweilte. Das Ziel von Kriya Yoga und in der Tat von allem Yoga besteht darin, in dieses Zentrum zu gelangen, dort zu bleiben und das Selbst zu erkennen.

Paramahamsa Hariharananda will, dass Sie „die wahre Kammer Ihres Wesens finden und die Welt wie ein König, nicht wie ein Bettler genießen.“ Er sagt: "Die Hilflosigkeit in dir, die dich zum Bettler gemacht hat, verschwindet und du findest eine unerschütterliche Zuflucht in deinem eigenen Selbst." Hier sind einige Beispiele seiner Lehren:

Liebe erträgt.

Liebe toleriert.

Liebe ist nicht nachtragend.
Liebe braucht Geduld.
Liebe gibt Einheit.
Liebe ist gütig.
Liebe ist süß.
Liebe ist Gott, ohne Gott gibt es keine Liebe.


So lange Sie Ihr Herz nicht gut gereinigt haben, können Sie nichts gut machen. Sie können nicht lieben. Also sollen Sie Ihr Herz und Ihren Verstand reinigen.

Himmel und Hölle sind in Ihnen. Verbal sind Sie sehr lieb, aber innerlich bitteres, zuckerüberzogenes Chinin. Aber denken Sie daran, Sie sind die Kraft Gottes.

Meditieren Sie. Beobachten Sie Tag und Nacht. Immerwährende Aufmerksamkeit in jedem Schritt Ihres Lebens ist notwendig. Dann werden Sie schnell zum Ziel gelangen.

Machen Sie Ihr Leben zu einem göttlichen Leben, nicht zu einem teuflischen Leben. Wenn Sie Ärger, Stolz, Ego und Hass haben, dann löschen Sie diese teuflischen Qualitäten aus.

Sie sind die Kraft Gottes. Fühlen Sie dies in Ihrem praktischen Leben. Erfahren Sie die ultimative Wahrheit. Seien Sie ruhig und göttlich. Erheben Sie sich über Ihre Körper- und weltlichen Sinne. Sie brauchen Kultur. Wenn Sie meditieren wollen, müssen Sie über den Geist, die Gedanken, den Intellekt, die Ruhelosigkeit, den Ärger etc. hinausgehen.

Meditation ist der Weg zur Selbst-Entdeckung. Um die Wahrheit zu erkennen, müssen wir tiefer gehen. Es gibt nur eine einzige Methode, um Wissen zu erlangen. Vom gewöhnlichen Menschen bis zum höchsten Yogi - alle müssen dieselbe Methode anwenden, und diese Methode ist Konzentration. Dies ist das Klopfen, das die Tore der Natur öffnet und Lichtfluten ausströmen lässt. Konzentration ist der einzige Schlüssel zum Schatz des Wissens. Die Kraft des menschlichen Geistes ist unbegrenzt. Das Geheimnis der Welt gehört uns, wenn wir wissen, wie man anklopft, wie wir den nötigen Stoß geben. Die Stärke und die Kraft des Stoßes kommen durch Konzentration zustande.

Indem ein Yogi im überbewussten Zustand bleibt, erfährt er extreme Liebe, Achtung und Verpflichtung gegenüber Gott. Diese Liebe zu Gott ist sehr selten.

So unbedeutend etwas auch sein mag, es ist Er. Aber wenn Sie nicht sehr tief meditieren, können Sie diese Wahrheit nicht wahrnehmen.

Diejenigen, die den Schleier der Schöpfung der Natur durchdrungen haben, diejenigen, die die Wahrheit aller Religionen erkannt haben, die frei von Ärger, Emotionen, Halluzinationen und Spekulationen sind, sind die wahren Lehrer.

Als ich zu Sai Babas Ashram in Puttaparthi zurückkehrte, hatte ich das Gefühl, dass diese Erfahrung meine Liebe zu Baba vertieft hatte und dass ich ihm dadurch näher gekommen bin und ich gelernt hatte, dass in der heutigen Welt seine Göttlichkeit einzigartig ist.

Oh, wertvoller Herr meines Herzens.
Du hast mich dazu gebracht, meine Seele in all ihrer Herrlichkeit zu sehen.
Du hast mich dazu gebracht, den kosmischen Klang OM aus dem tiefsten Inneren hervorzubringen.
Du bist Ista, wahrlich eins mit der ganzen Schöpfung.
Tausendmal verneige ich mich vor Dir.